THE LAST CITY

VON RYAN ROCKWELL

Willkommen zur siebten Episode von FAKE MOVIE REVIEWS, meiner Beitragsreihe über die besten Filme aus Science-Fiction, Horror und Fantasy, die es nie gegeben hat. Wenn du mehr über FAKE MOVIE REVIEWS erfahren möchtest, klicke HIER (demnächst). Heute gibt es meinen ersten britischen Film.


The Last City

Land: GB
Jahr: 2010
Laufzeit: 108 Minuten
Regie: Alfonso Cuarón
Darsteller: Karen Gillan, Vinnie Johnes, Frank Dillane, Tom Hardy
Genre: Science-Fiction, Dystopie

Der Film »Children Of Men« dürfte vielen noch als einer der Filme mit extrem langen Kameraeinstellungen im Gedächtnis sein. Auch wenn diese Plansequenzen letztlich montiert worden sind, sprechen sie dem Film nicht das Faszinierende ab. Regisseur dieses dystopischen Films war Alfonso Cuarón, der bis 2006 höchstens als Produzent von »Pans Labyrinth« bekannt gewesen sein dürfte. Oder eben als Regisseur von »Harry Potter und der Gefangene von Askaban«, dem wohl schwächsten Harry-Potter-Film (und Buch).

Bevor Cuarón mit seinem Film »Gravity« 2 Oscars abräumte, drehte er 2010 einen weiteren dystopischen Science-Fiction-Film, der ein bisschen unter dem Radar lief, aber der keineswegs minder sehenswert ist. Und er schlägt in eine ähnliche Kerbe wie »Children Of Men«.

DIE ERDE ALS VERREGNETES UND KARGES ÖDLAND

20 Jahren ist her, dass Charlie (Karen Gillan) Waise geworden ist. Und nur die Ältesten können sich noch an ihre Eltern erinnern. Die junge Frau lebt in der Siedlung Stained Sands in einer Baracke haust und arbeitet als Wächterin über Bewohner und Dorf.

Charlie wird von einem mutierten Meeresbewohner verfolgt.

Nachdem vor über 50 Jahren eine nicht näher beschriebene Katastrophe die gesamte Erde zu einem verregneten und kargen Ödland verkommen ließ, fristen die letzten Überlebenden ein Leben in Hunger und Leid.

Doch da ist noch mehr: Das dürftige Dorf liegt direkt am Meer, doch die Wasserkante darf nicht betreten werden, da dort eine namenlose Gefahr haust. Gleich zu Beginn darf Charlie einen abhanden gekommenen Jungen vor einem lovecraftschen Monster retten.

»Es wird zu keinem Frieden kommen, wenn man sich nicht mit anderen Siedlungen verbündet

Am selben Abend fallen Angriffsflieger über das Dorf her, zerstören Wohngebäude und töten etliche Wachen. Mit dem Geschwader landet auch ein Frachtschiff, und ein Mann namens Julian Everhard (Vinnie Jones) stellt sich als Botschafter der Stadt White Canyon vor. Im Namen des Bürgermeisters will er nahezu alle Vorräte mitnehmen. Charlie, die den Angriff überlebt hat, muss dabei zusehen, wie die Räuber alle Lebensmittel ins Schiff laden.

Nur knapp haben Charlie (Karen Gillan) und Rye (Frank Dillane) den Angriff überlebt.

Die Angreifer ziehen ab und Charlie schwört Rache. Charlie will Vergeltung, doch die Dorfälteste sagt, dass es zu keinem Frieden kommen wird, wenn man sich nicht mit anderen Siedlungen verbündet. Erzählungen nach gibt es eine Stadt namens Bright Gorge, in der Menschen in Sicherheit leben können. Charlie will nach Bright Gorge, um zu darum zu bitten, die Bewohner des von Stained Sands aufzunehmen.

DIE KLASSISCHE HELDENREISE IM ALBTRAUMFORMAT

Doch auf dem Weg in die Stadt warten zahllose Gefahren. Neben den Räubern von White Canyon ist es vor allem die sogenannte ›Zone‹, die durchquert werden muss. Ein ausgedehntes Areal, von dem niemand weiß, was sich dort befindet. Doch alle, die von der Zone berichten, sagen, dass niemand, der dort gewesen ist, je zurückgekehrt ist.

Charlie ist das egal. Sie will nicht länger dabei zusehen, wie die Räuber ihr Dorf plündern und Menschen töten. Mit dem ängstlichen Rye (Frank Dillane) und dem wortkargen aber muskelbepackten Seven (Tom Hardy) macht sich Charlie auf den Weg durch das verseuchte Land.

Charlie, Rye und Seven durchsuchen eine Stadt in der Zone.

NICHT DIE MONSTER SIND EINGESPERRT, DIE MENSCHEN SIND ES

Nach einige Tagen erreichen Charlie und die anderen die Zone. In einer Ruinenstadt treffen sie auf schrecklich entstellte Kreaturen. Seven wird schneller getötet, als er seine Muskeln einsetzen kann. Zusammen mit Rye, dessen Schicksal sie ein wenig kennenlernt, kann Charlie entkommen und einen Platz für die Nacht finden.

Am nächsten Tag gelangen sie in einen Hinterhalt, bei dem Rye verletzt wird. Charlie will ihn nicht zurücklassen, doch Rye sagt, dass sie die einzige Hoffnung für das Dorf sei. Charlie fasst den schwierigen Entschluss, allein nach Bright Gorge zu suchen.

Gegen die Bewohner der Zone hat Seven (Tom Hardy) keine Chance.

In einem der Gebäude findet Charlie Hinterlassenschaften der Vorzeit, und sie erfährt, dass im Zuge eines weltweiten Kriegs, eine neuartige Biowaffe eingesetzt wurde, deren Gebrauch außer Kontrolle geriet, woraufhin die meisten Menschen, Tiere und Pflanzen starben. Nur Menschen mit einem modifizierten Gen überlebten.

Doch sie waren nicht allein. Eine schnell mutierende Flora und Fauna hat sich über den gesamten Planeten ausgebreitet und Charlie erkennt, dass die Zone kein isolierter Bereich ist, sondern im Gegenteil ihr Dorf in einem gesicherten Bereich liegt.

»Charlie offenbart sich die Ungleichheit zwischen dem Reichtum der Stadt und der bitteren Armut ihres Dorfes.«

Charlie flieht aus der Zone und erreicht bald die Mauer einer Stadt, die sie für Bright Gorge hält. In ihrer Verzweiflung fleht sie die Wachen an und überraschenderweise wird sie eingelassen. Von den Wachen wird sie zum Hauptquartier geführt. Auf dem Weg offenbart sich ihr die Ungleichheit zwischen dem Reichtum der Stadt und der bitteren Armut ihres Dorfes. Zwar wirkt dieser Reichtum auf den Kinogast noch immer sehr prekär, aber die Leute haben Essen, ein Dach über dem Kopf, betreiben Handel.

Charlie lässt sich auf eine gefährliche Mission ein.

Als sie an einem Landeplatz vorbeikommt, trifft Charlie der Schlag. Sie sieht die Angriffsschiffe und den Frachter von Julian Everhard. Das Frachtschiff wird gerade ausgeladen und ihr kommt der schreckliche Verdacht, dass sie in White Canyon ist.

Im Hauptquartier lernt Charlie den Herrscher der Stadt Percival Ashdown kennen, einen wohlhabenden wie überheblichen Menschen, der sich von Charlies Leistung, die Zone durchquert zu haben, beeindruckt zeigt. Sie sagt, dass sie Hilfe braucht, um Rye zu retten, doch Ashdown sagt, dass er leider nicht helfen kann. Er bietet Charlie allerdings an, in White Canyon zu bleiben.

Charlie flieht aus White Canyon.

EIN KLASSISCHER SHOWDOWN FÜR EINE DYSTOPIE

Im letzten Filmdrittel überschlagen sich die Ereignisse. Charlie tötet Ashdown, als dieser sie bedroht. In der Folge flieht sie aus dem Hauptquartier, will zurück nach Stained Sands. Zuvor will sie Rye retten. Dafür schmuggelt sie sich mit einer Waffe an Bord von Julians Frachter und zwingt den Piloten, sie nach Hause zu bringen.

Doch Julian macht ihr das Leben schwer. Es kommt zu einem verzweifelten Kampf, bei dem der Pilot stirbt und der Flieger in der Zone abstürzt. Als Letzte überleben Charlie und Julian, doch der Handlanger Ashdowns wird von einem der Monster niedergestreckt. Charlie dagegen kann fliehen.

Ashdown und die Crew fallen einem Monster zum Opfer.

Bis zur Ruinenstadt ist es noch ein ganze Weile, aber Charlie erreicht sie nach etlichen Stunden, verzweifelt und am Ende ihrer Kräfte. Mit einem gestohlenen Erste-Hilfe-Pack versorgt sie Ryes Wunde, der wie durch ein Wunder überlebt hat. Gemeinsam gelangen sie wieder zurück ins Dorf, wo sie Hoffnung äußern, in Zukunft von den Angriffen aus White Canyon verschont zu bleiben.

»Einer der besten britischen Science-Fiction-Filme

Regisseur Alfonso Cuarón zeigt, dass man keine 100 Millionen Dollar verbraten muss, um einen guten Film zu drehen. Alles was es braucht, sind fähige Schauspieler, deren Stärken man auszuspielen weiß, ein gutes Skript und präzise eingestreute Schockmomente. Gerade letztere erheben »The Last City« über vergleichbar produzierte Streifen. Auch von der Wahl, wie die Effekte eingesetzt werden, profitiert der Film, denn die Kreaturen agieren meist in Nebel, Regen oder Dunkelheit. Das Kopfkino erledigt dabei den Rest.

Angesicht zu Angesicht mit einem der Bewohner der Zone.

Wer gute 100 Minuten an einen wahrlich trostlosen Ort reisen will, ist mit »The Last City« bestens bedient. Für mich ist er nach »Sunshine«, »Lifeforce«, »28 Days« oder eben »Children Of Men« einer der besten britischen Science-Fiction-Filme. Effektvoll, unvorhersehbar und apokalyptisch. Und das mag ich!

★★★★☆

»The Last City« ist eine beängstigende Zukunftsvision. Eine Dystopie, die so schrecklich wie faszinierend ist, mit einer Heldin, die nach nicht weniger verlangt, als nach einem Leben in Sicherheit.

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